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Aufarbeitung der Geschichte der Zwangsarbeiter am ehemaligen HASAG-Standort Altenburg

erstellt am: 29.12.13 | von: Michael Wolf

 

 

Wissenschaftliche Aufarbeitung
Dr. Marc Bartuschka untersucht den ehemaligen HASAG-Standort

Der Historiker Dr. Marc Bartuschka aus Jena wird in den nächsten Monaten im Auftrag der Stadt Altenburg den Standort des ehemaligen HASAG-Werks im Gewerbegebiet Poststraße wissenschaftlich untersuchen.

Oberbürgermeister Michael Wolf hatte in den letzten Wochen und Monaten verschiedene Institutionen und Fachleute aufgesucht, um über Möglichkeiten der Ausweitung der bestehenden Erinnerungskultur in der Stadt Altenburg – hier konkret zur Zeit des Nationalsozialismus – zu sprechen. Da nach wie vor der Befund am HASAG-Standort nicht zweifelsfrei geklärt ist, wurde dem Stadtoberhaupt geraten, zunächst die historischen Rahmenbedingungen des Rüstungswerks, der Zwangsarbeit und dem KZ-Außenlager wissenschaftlich fundiert untersuchen zu lassen.

„Wir müssen endlich Gewissheit darüber haben, welche Gebäude im HASAG-Gelände welche Funktion hatten, wo das Außenlager zu verorten ist oder welche Täter- und Opfergeschichten es gibt“, so das Stadtoberhaupt zum Anlass für die Untersuchung. Nachdem der Sozial- und Kulturausschuss über die einzelnen Gespräche informiert wurde und der wissenschaftlichen Untersuchung positiv gegenüberstand, hat der Oberbürgermeister nach einer geeigneten Person für die Aufgabe gesucht. In Dr. Marc Bartuschka hat das Stadtoberhaupt einen Historiker gefunden, der zum Thema in Thüringen bereits verschiedene Forschungsaufträge bearbeitet hat und von Kollegen als Fachmann geschätzt wird.

Der Beauftragung vorausgegangen war eine Abstim-mung mit Dr. Harry Stein, dem Kustos der Gedenkstätte Buchenwald für die Geschichte des Konzentrationslagers. Er wird auch künftig der Stadt Altenburg mit Rat und Tat beiseite stehen, was Oberbürgermeister Michael Wolf freut: „Dass wir neben dem vertraglich gebundenen Historiker Dr. Marc Bartuschka bei der Bearbeitung des Themas zusätzlich im Rahmen der Möglichkeiten auf die Erfahrungen und das Fachwissen von Dr. Harry Stein zurückgreifen können, ist eine große Bereicherung. Gerade durch das Außenlager des KZ Buchenwald in Altenburg ist ein Austausch mit der Gedenkstätte nicht nur sinnvoll, sondern zwingend nötig“.

Dr. Marc Bartuschka wird voraussichtlich bis Ende September 2014 für die Stadt Altenburg die wissenschaftliche Aufarbeitung des HASAG-Standorts vornehmen. Da bislang schwer zu überblicken ist, in welchem Umfang und welcher Qualität Archivgut zur Zwangsarbeit in Altenburg und zum HASAG-Werk vorhanden sind, ist ein wesentlicher Inhalt des Wirkens des Historikers die umfassende Quellenauswertung, die mit Sicherheit einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Darüber hinaus erhofft sich die Stadt Altenburg im Ergebnis der wissenschaftlichen Arbeit konkrete Aussagen zur Verortung der einzelnen Unternehmens- und Lagerbereiche, zu Täter- und Opfergeschichten oder zur Verquickung des Unternehmens bzw. des Personals in NS-Unrecht im so genannten Generalgouvernement.

Für Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf ist die Arbeit Dr. Marc Bartuschkas das wissenschaftliche Fundament, auf dem später über erweiterte Formen der Erinnerungskultur diskutiert werden kann. „Bevor wir über steinerne Zeugen, Ausstellungen oder sonstige Elemente des Erinnerns und der Aufarbeitung sprechen, müssen wir uns im Klaren sein, mit welchem Befund wir es am Standort Poststraße zu tun haben. Die Gespräche mit Fachleuten haben gezeigt, dass die bisherigen Erkenntnisse nicht ausreichen, um sich ein zweifelsfreies Bild machen zu können. Insofern ist die wissenschaftliche Aufarbeitung ein ganz wesentlicher Meilenstein für die Erinnerungskultur“, so das Stadtoberhaupt.

In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die Stadt Altenburg vor wenigen Tagen die zwei letzten bislang in privatem Eigentum befindlichen Grundstücke des ehemaligen Armaturenwerk-Geländes zwischen Feld- und Winterstraße im Rahmen eines Zwangsversteigerungsverfahrens erworben hat. Die Flächen sind auch von der wissenschaftlichen Untersuchung Dr. Marc Bartuschkas umfasst, zumal sie direkt an den ehemaligen HASAG-Komplex grenzen. Die Stadt Altenburg hat mit dem Erwerb der Grundstücke erst die Untersuchung und Bestandsaufnahme ermöglicht und ist bestrebt, sie in die bereits laufenden Aufwertungsmaßnahmen im Gewerbegebiet Poststraße einzubeziehen.

Selbstverständlich möchte die Stadt Altenburg auch das Wissen von Altenburgerinnen und Altenburgern nutzen, zumal es bereits verschiedene Forschungsprojekte zum Standort gab. Informationen nimmt dankend Dr. Harry Stein unter der E-Mail-Adresse hstein@buchenwald.de entgegen.

Im Auftrag

gez. Repkewitz
SG Stadtrats- und Bürgerangelegenheiten

 

 

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